Wertermittlung

Sachwertverfahren: So wird der Immobilienwert berechnet — mit Beispiel

Das Sachwertverfahren ist eine der drei anerkannten Bewertungsmethoden für Immobilien. Wann es angewendet wird, wie es funktioniert und was das Ergebnis bedeutet.

Sachwertverfahren: So wird der Immobilienwert berechnet — mit Beispiel

Wer ein Haus bewerten lässt, bekommt oft den Begriff "Sachwertverfahren" zu hören. Es ist eine von drei gesetzlich anerkannten Wertermittlungsmethoden — und die häufigste bei Einfamilienhäusern, die nicht vermietet werden.

Die drei Wertermittlungsverfahren im Überblick

VerfahrenAnwendungsbereichGrundlage
VergleichswertverfahrenETW, BaugrundstückeVergleichbare Kaufpreise
ErtragswertverfahrenVermietete Objekte (MFH, ETW)Mieteinnahmen
SachwertverfahrenEFH, DHH, unbebaute SpezialimmobilienSubstanzwert (Boden + Gebäude)

Wie funktioniert das Sachwertverfahren?

Sachwertverfahren: So wird der Immobilienwert berechnet — mit Beispiel

Das Sachwertverfahren (§§ 21–23 ImmoWertV) ermittelt den Wert einer Immobilie aus zwei Komponenten:

  1. Bodenwert = Grundstücksfläche × Bodenrichtwert (€/m²)
  2. Gebäudesachwert = Herstellungskosten abzüglich Alterswertminderung

Sachwert = Bodenwert + Gebäudesachwert + Sachwert sonstiger Anlagen (Garage, Terrasse etc.)

Anschließend wird ein Marktanpassungsfaktor (früher Sachwertfaktor) angewandt — der den rechnerischen Sachwert an das tatsächliche Marktpreisniveau anpasst.

Beispielrechnung Sachwertverfahren

PositionBerechnungErgebnis
Grundstück 500 m²500 × 350 €/m² (BRW)175.000 €
Gebäude 150 m² NRF1.800 €/m² × 150 m²270.000 €
Alterswertminderung (30 Jahre)270.000 × 30 %-81.000 €
Gebäudesachwert189.000 €
Garage etc.15.000 €
Vorläufiger Sachwert175.000 + 189.000 + 15.000379.000 €
Marktanpassungsfaktor (1,15)379.000 × 1,15435.850 €

Was ist der Bodenrichtwert?

Der Bodenrichtwert (BRW) ist der vom Gutachterausschuss ermittelte durchschnittliche Lagewert des Bodens in einer Gemeinde — unabhängig vom Gebäude. Er wird alle 2 Jahre veröffentlicht und ist öffentlich zugänglich (BORIS-System der Länder).

Was ist die Alterswertminderung?

Gebäude verlieren über ihre Nutzungsdauer an Substanzwert. Formel: (Alter des Gebäudes / Gesamtnutzungsdauer) × 100 %. Bei einem 30 Jahre alten Haus mit 80 Jahren GND ergibt sich 37,5 % Minderung.

Wann weicht das Ergebnis vom Marktwert ab?

Das Sachwertverfahren orientiert sich an Substanz und Kosten — nicht an der Marktnachfrage. In gefragten Innenstadtlagen kann der Marktwert erheblich über dem Sachwert liegen (Marktanpassungsfaktor > 1). In strukturschwachen Regionen liegt er darunter.

Mehr: Ertragswertverfahren für Renditeimmobilien | Immobilienwert steigern

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