Wertermittlung

Bodenrichtwert verstehen: So ermitteln Sie den Grundstückswert

Der Bodenrichtwert ist die Basis jeder Grundstücksbewertung. Wir erklären, wie er berechnet wird, wo Sie ihn finden und wie er sich von der Realität unterscheidet.

Bodenrichtwert verstehen: So ermitteln Sie den Grundstückswert

Bodenrichtwert: Die Grundlage jeder Grundstücksbewertung

Ob für die Erbschaftsteuer, die Kaufpreisverhandlung oder die Beleihung durch die Bank — der Bodenrichtwert spielt überall eine zentrale Rolle. Verstehen Sie, wie er ermittelt wird und was er wirklich aussagt.

Was ist der Bodenrichtwert?

Bodenrichtwert verstehen: So ermitteln Sie den Grundstückswert

Der Bodenrichtwert (§ 196 BauGB) ist ein durchschnittlicher Lagewert des Bodens für ein Gebiet mit im Wesentlichen gleichen Lage- und Nutzungsverhältnissen. Er wird von Gutachterausschüssen aus tatsächlichen Kaufpreisen berechnet.

  • Einheit: Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche (€/m²)
  • Aktualisierung: In der Regel alle 2 Jahre (in manchen Bundesländern jährlich)
  • Bezugszone: Gilt für ein Gebiet, nicht für ein einzelnes Grundstück

Wie wird der Bodenrichtwert ermittelt?

  1. Alle Grundstückskäufe werden in einer Kaufpreissammlung erfasst
  2. Kaufpreise werden auf Bodenwert bereinigt (Gebäudeanteil abgezogen)
  3. Statistische Auswertung über vergleichbare Lagegebiete
  4. Gutachterausschuss beschließt den Bodenrichtwert

Bodenrichtwerte in Deutschland 2026: Beispiele

Stadt / LageBodenrichtwert €/m²
München Innenstadt12.000–25.000 €
München Stadtrand2.000–6.000 €
Frankfurt Innenstadt5.000–12.000 €
Hamburg Innenstadt3.000–8.000 €
Berlin Mitte3.500–9.000 €
Berlin Randlagen300–1.200 €
Leipzig/Dresden150–800 €
Ländliche Regionen10–100 €

Wo finden Sie den Bodenrichtwert?

  • BORIS-D: Bundesweites Portal (kostenlos): boris.rlp.de, boris.nrw.de etc. (je nach Bundesland)
  • Gutachterausschüsse: Auskünfte direkt (kostenpflichtig, ca. 30–100 €)
  • Gemeinde/Stadtverwaltung: Auf Anfrage
  • Immobilienportale: Immoscout24, Hausgold zeigen Richtwerte näherungsweise

Bodenrichtwert vs. tatsächlicher Kaufpreis

Der Bodenrichtwert ist ein Durchschnittswert — der tatsächliche Kaufpreis kann erheblich abweichen:

  • Besonderer Zuschnitt: Eckgrundstück, sehr schmales Grundstück → Abschlag
  • Topografie: Hanglage, Überflutungsrisiko → Abschlag
  • Bebaubarkeit: B-Plan erlaubt höhere Ausnutzung → Aufschlag
  • Marktlage: Starker Wettbewerb um das Grundstück → deutlicher Aufschlag

Bedeutung für die Grundsteuer (ab 2025)

Mit der Grundsteuerreform 2025 wird der Bodenrichtwert in vielen Bundesländern zur Berechnungsgrundlage. Das Ertragswert- und Sachwertverfahren der Grundsteuer B nutzt den Bodenrichtwert direkt — Grundstücke in teuren Lagen zahlen künftig deutlich mehr.

Wann brauchen Sie ein individuelles Gutachten?

Der Bodenrichtwert ist eine Orientierung, kein individuelles Wertgutachten. Für Erbschaft- und Schenkungsteuer, Scheidungsverfahren oder Kaufpreisstreitigkeiten empfiehlt sich ein zertifizierter Gutachter (DEKRA, TÜV, öffentlich bestellter Sachverständiger).

Weiterführende Artikel: Sachwertverfahren erklärt | Grundstück kaufen: Checkliste | Immobilienwert berechnen

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