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Grundstück im Überschwemmungsgebiet: Risiken, Versicherung und Bauen

Hochwassergebiete in Deutschland sind häufiger als gedacht. Was bedeutet es, in einem Überschwemmungsgebiet zu kaufen oder zu bauen? Versicherung, Risiken und Rechtslage.

Grundstück im Überschwemmungsgebiet: Risiken, Versicherung und Bauen

Grundstück im Überschwemmungsgebiet kaufen — was Sie wissen müssen

Idyllische Lage am Fluss, günstigerer Preis, Natur pur — klingt verlockend. Aber Grundstücke in Überschwemmungsgebieten Bergen erhebliche Risiken. In Deutschland sind nach aktuellen Schätzungen rund 800.000 Gebäude in hochwassergefährdeten Lagen.

Was ist ein Überschwemmungsgebiet?

Grundstück im Überschwemmungsgebiet: Risiken, Versicherung und Bauen

Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) unterscheidet:

  • Festgesetzte Überschwemmungsgebiete: Offiziell ausgewiesene Flächen, die bei einem 100-jährigen Hochwasser (HQ100) überflutet werden
  • Vorläufig gesicherte Gebiete: Im Verfahren, noch nicht rechtskräftig
  • Hochwasserrisikogebiete: Breiter gefasst, auch bei seltenerem Hochwasser gefährdet

Wie prüfen Sie, ob ein Grundstück betroffen ist?

Schritt 1: Hochwassergefahrenkarten

Alle Bundesländer stellen kostenlos Hochwassergefahrenkarten online bereit. Einfach die PLZ oder Adresse eingeben:

  • Bayern: BayernAtlas
  • NRW: ELWAS-WEB
  • Baden-Württemberg: LUBW Kartendienst
  • Bundesweit: Geoportal.de

Schritt 2: Bauamt / Gemeinde fragen

Das örtliche Bauamt weiß, ob das Grundstück in einem festgesetzten Überschwemmungsgebiet liegt. Diese Information ist bei Baugenehmigungen relevant und kann öffentlich erfragt werden.

Schritt 3: Notarvertrag prüfen

Seit 2010 müssen Verkäufer bei der Beurkundung auf bekannte Überschwemmungsgebiete hinweisen. Dennoch: Eigenrecherche ist unerlässlich.

Darf man in Überschwemmungsgebieten bauen?

In festgesetzten Überschwemmungsgebieten gilt grundsätzlich ein Bauverbot (§ 78 WHG). Ausnahmen sind möglich, aber an strenge Bedingungen geknüpft — z. B. wenn das Gebäude hochwasserangepasst gebaut wird und kein erhöhtes Risiko entsteht.

Hochwasserangepasstes Bauen

  • Erdgeschoss auf erhöhter Bodenplatte oder Pfahlgründung
  • Kein Keller oder wasserdichter Keller (weiße Wanne)
  • Hochwasserschutztüren und -fenster
  • Heizung und Elektrik im Obergeschoss
  • Rückstauklappe für Abwasserleitungen

Versicherung: Was deckt eine Elementarschadenversicherung?

Die normale Wohngebäudeversicherung deckt Hochwasserschäden nicht. Dafür brauchen Sie eine Elementarschadenversicherung (Zusatzbaustein zur Gebäudeversicherung).

SchadenstypWohngebäudeElementar-Zusatz
Hochwasser, ÜberschwemmungNeinJa
Rückstau aus KanalisationNeinJa (mit Rückstauklausel)
Erdrutsch, ErdfallNeinJa
Lawinen, SchneedruckNeinJa
Sturm (ab Windstärke 8)JaBereits enthalten

Problem: Versicherbarkeit in Risikolagen

In Hochrisikogebieten (ZÜRS Zone 4) können Versicherungen den Abschluss verweigern oder extrem hohe Prämien verlangen. Prüfen Sie die Versicherbarkeit vor dem Kauf!

Wertverlust und Wiederverkauf

Immobilien in Überschwemmungsgebieten erzielen bei Wiederverkauf häufig 10–30 % weniger als vergleichbare Lagen ohne Hochwasserrisiko. Zudem ist die Zielgruppe kleiner — viele Käufer schrecken vor dem Risiko zurück.

Checkliste: Grundstück in Hochwasserzone kaufen

  • Hochwassergefahrenkarte für das Grundstück prüfen
  • Bauamt: Liegt Grundstück in festgesetztem Überschwemmungsgebiet?
  • Elementarschadenversicherung anfragen (Angebot einholen vor Kauf!)
  • Baugenehmigungssituation klären (Bauverbot? Ausnahmen?)
  • Nachbarschaft befragen: Wann war zuletzt Hochwasser?
  • Kaufpreisabschlag für Risikolage aushandeln
  • Finanzierungsbank informieren (Beleihung kann eingeschränkt sein)

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